Unser Leitbild

Unser Ideal ist es, Menschen in besonderen Lebenssituationen, jung oder alt, ein Zuhause und Arbeit in einer landwirtschaftlich geprägten Lebensgemeinschaft zu geben. Für diese und mit ihnen bilden wir den Rahmen, den jeder für die Entfaltung seiner Individualität braucht. Dadurch und durch den pflegenden Umgang mit der uns anvertrauten Natur wollen wir zur Gesundung der Erde und ihrer Geschöpfe beitragen.

"Heilsam ist nur, wenn im Spiegel der Menschenseele sich findet die ganze Gemeinschaft, und in der Gemeinschaft lebet der Einzelseele Kraft." Rudolf Steiner

Konzeption

Wohnen und Leben

Die Hofgemeinschaft mit derzeit drei Familien ist Kern und Grundlage unseres Betreuungsangebotes. Die betreuten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen gehören jeweils zu einer Familie. Diese leben gemeinsam mit den leiblichen Kindern und den nicht in der Pädagogik tätigen anderen Mitgliedern der Gemeinschaft auf einem historischen Vierseithof. Die erzieherischen Aufgaben werden zusätzlich durch Praktikanten, Menschen im Sozialen Jahr, Bundesfreiwilligendienste oder Auszubildende unterstützt.  Die pädagogische Verantwortung trägt ein ausgebildeter Bezugsbetreuer im Austausch mit den anderen Mitarbeitern.

Das Altersverhältnis und das Betreuungsgefüge innerhalb einer Familie sowie in der gesamten Gemeinschaft  soll dabei möglichst breit gefächert sein, damit, wie in einer richtigen Großfamilie, jeder die Möglichkeit erhält, von den Stärken der Anderen zu lernen. Das kann auch die Betreuung von seelenpflegebedürftigen Erwachsenen oder alten Menschen mit einschließen.

Das Leben in der Familie gestaltet sich dabei möglichst „normal“, mit  gemeinsam erlebter Arbeit für alle und gestalteter Freizeit. Dabei gibt es einen steten Wechsel von Begegnung in der gesamten Gemeinschaft und dem Bezug zur Kernfamilie.

Die Betreuten sind in Einzelzimmern untergebracht. Die Dauer der Betreuung variiert je nach Bedarf der Jugendlichen von einigen Monaten (Time-out oder Landbaupraktikum) bis hin zum Daueraufenthalt, der bis zur Erlangung der eigenen Selbständigkeit, mit einem schulischen oder beruflichen Abschluss andauert; bzw. der Wiedereingliederung in die Herkunftsfamilie. In der Regel besuchen die Kinder und Jugendlichen die Chemnitzer Waldorfschule gemeinsam mit den leiblichen Kindern der Familien. Der Besuch spezieller Lernförderschulen im Umland ist nicht ausgeschlossen.

Derzeit beherbergt der Luisenhof drei Kernfamilien mit fünf Dauerbetreuungen und zwei stationäre intensive sozialpädagogische Einzelbetreuungen. Zusätzlich können Kinder und Jugendliche ambulant gefördert werden, z.B. in Form von Projekten für Einzelne oder Gruppen, Schulbegleitung oder Time-out-Angebote.

Der Ausbau eines Gästehauses wurde im Sommer 2014 abgeschlossen und ermöglicht seit dem weitere Betreuungsangebote, z.B. für Schulklassen oder Gruppen mit besonderem Förderbedarf.

Pädagogik und Therapie

Die pädagogische Arbeit geschieht auf Grundlage des anthroposophischen Menschenbildes. Deren Weiterentwicklung im Bereich Waldorfpädagogik, Heilpädagogik, Sozialtherapie und die Kinder- und Jugendarbeit mündet in die pädagogische Praxis. Die individuellen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen zu Erlangung einer möglichst selbstverantworteten, sinnerfüllten Lebensführung und die Entwicklung der gesamten Persönlichkeit sowie die Ausbildung sozialer Kompetenzen stehen dabei im Vordergrund. Grundlage der dafür notwendigen Diagnose und Entscheidung bilden die regelmäßig stattfindenden Kinderbesprechungen unter Zusammenarbeit mit einer anthroposophischen Ärztin und allen pädagogischen Mitarbeitern sowie das Bemühen darum, kontinuierlich an der Menschenkunde Rudolf Steiners zu arbeiten. Zur Einzeltherapie wird die Zusammenarbeit mit Fachkräften für Gesprächstherapie, Sprachgestaltung, Heileurythmie, Kunst- und Ergotherapie gesucht.

Darüber hinaus soll die gesamte Tagesgestaltung heilsamen Charakter haben. Dazu gehören ein fester Tagesablauf mit regelmäßigen, vollwertigen, biologischen Mahlzeiten, das Angebot der sinnvollen Beschäftigung in den verschiedensten Werkbereichen, ein vielfältiges, sozial gestaltetes Freizeitleben sowie die pflegende Betreuung innerhalb der Kernfamilie.

Arbeiten und Wirtschaften

Auf dem Hof sind mehrere Werkstätten untergebracht, in denen für den eigenen Bedarf verschiedenste Dinge hergestellt werden. Kernstück dabei ist die biologisch-dynamische Landwirtschaft, in der durch den Anbau von Pflanzen und die Haltung von Tieren ein heilender Umgang mit unserer Erde erleb- und erlernbar gemacht werden kann. Als dauernde Werkstätten gibt es zusätzlich die Hauswirtschaft, Bauhütte, Gärtnerei sowie unterstützend Holz- und Metallwerkbereiche. Dazu kommen Werkstätten mit projekthaftem Charakter: Malen, Plastizieren, Textilgestaltung, Theater, Klang. Die Kinder und Jugendlichen können je nach individuellen Neigungen oder pädagogischem Bedarf dort ihre Freizeit verbringen oder als Berufsgrundbildung Praktika absolvieren. Zusätzlich gibt es eine rege Zusammenarbeit mit ortsansässigen Handwerksbetreiben.

Die Verantwortung tragenden Erwachsenen der Gemeinschaft gehören zu einer Wirtschaftsgemeinschaft, in der sie die Finanzen gemeinsam verwalten und grundlegende Entscheidungen einmütig getroffen werden.

Die Zusammenarbeit mit anderen anthroposophischen und Kinder- und Jugendhilfe - Einrichtungen ist uns wichtig.

Kultur und Gestaltung

Alles Handeln und Gestalten auf dem Hof ist  von einem künstlerischen Impuls geprägt. Die Mitarbeiter üben sich regelmäßig in ihrem gestalterischen Tun in den verschiedensten Bereichen. Dafür stehen auch ihnen die Räumlichkeiten, Materialien und entsprechende Anleitung zur Verfügung. Die Innen- und Außenbereiche sind Natur- und Menschengemäß gestaltet.

Das Gemeinschaftsleben wird von einer im christlichen Festeskreis und in der im Naturrhythmus verankerten Gliederung des Jahreslaufes getragen. Die Gestaltung von Feiern wird gemeinsam geplant und durchgeführt. Dadurch soll das durch das Angebundensein an die Natur bewusst ergriffen und spiritueller Ebene erfahrbar gemacht werden.

Anliegen ist es, die Gemeinde Langenchursdorf und das Umland kulturell mit Festen, Konzerten, Vorträgen, Theateraufführungen u.ä. zu bereichern. Ein monatliches Kulturcafé besteht seit Frühjahr 2014.

Zweimal jährlich findet eine Zukunftstagung statt, wo auch Gäste willkommen sind.

Verantwortung und Entscheidungen

Der Verein Heilpädagogisch-künstlerisches Therapeutikum Chemnitz e.V. ist verantwortlicher Träger der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Luisenhof.

Die tägliche Arbeit und die wirtschaftliche Gemeinschaft wird von den am Luisenhof lebenden oder sich dort in die Verantwortung stellenden erwachsenen Menschen getragen. Die soziale Dreigliederung ist dabei Grundlage der Gestaltung des Zusammenlebens.

Die Aufgaben und Entscheidungsbefugnisse gliedern sich in verschiedene Arbeitsbereiche: Erziehung, Therapie, Landwirtschaft, Gartenbau, Hauswirtschaft, Buchführung, Haushaltsführung, Außen- und Innengestaltung, Bau, Ausbildung. Die Entscheidungen werden möglichst einmütig in regelmäßig stattfindenden Besprechungen getroffen und mit dem Vorstand des Vereines abgesprochen.

Dabei ist die Grundlage der Entscheidungen das Ansinnen, die individuellen Impulse Einzelner zu unterstützen und mit zu tragen.